Zeitungsjungen

Pressemappen: Back to the roots

Wer vor 20 Jahren Medien über neue Produkte oder Dienstleistungen informieren wollte, musste Briefmarken kaufen. Oder Wertmarken für die Frankiermaschine. Hinzu kamen die Ausgaben für Umschläge, Briefpapier und Drucker-Toner. Ließen sich Couverts nicht direkt bedrucken, waren Etiketten mit den Redaktionsadressen notwendig. Die gehörten natürlich ordentlich auf den Umschlag geklebt. Ebenso sorgfältig musste die Pressemappe bestückt und in den Umschlag gesteckt werden. Kein Wunder also, dass man damals für den Versand einer Pressemappe an lediglich 1000 Medien etwa die gleiche Größenordnung in D-Mark allein für die Versandkosten ansetzte.

Und heute?

Da gibt’s das Ganze quasi zum Nulltarif! Der E-Mail sei Dank. Was aber viele Versender digitaler PR-Medien völlig außer Acht  lassen: Weil der Versand nahezu kostenlos ist, wird auch von völlig unbekannten Kleinunternehmen munter drauflos gemailt. Viel hilft schließlich viel. Relevanz der Nachrichten? Zweitrangig. Textqualität: Unerheblich. Persönliche Anrede des Redakteurs? Zu vernachlässigen, redaktion@xyz.de wird schon ankommen. So ist es kein Wunder, dass beispielsweise die Wirtschaftsredaktion einer überregionalen Tageszeitung täglich einige Hundert (!) PR-E-Mails erhält. Mit weiter steigender Tendenz. Wer in diesem Wust an Informationen mit seiner Mitteilung auffallen will, muss schon einen bekannten Firmennamen tragen. Oder etwas ganz anderes als die anderen machen. Zum Beispiel einen Brief schicken …

Eine Frage der Wertschätzung

E-Mails aus den Presseabteilungen von Apple, Google, VW oder Mercedes haben naturgemäß keine Akzeptanzprobleme. Diese Firmen kennt jeder. Und jeder Redakteur weiß, dass die darin enthaltenen Informationen redaktionellen Wert besitzen. E-Mails weitgehend unbekannter Unternehmen landen dagegen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im virtuellen Papierkorb. Völlig anders dagegen eine per Post verschickte Pressemappe. Die wird schon aus Neugier geöffnet, da heute so etwas multinationalen Unternehmen vorbehalten scheint. Selbstverständlich müssen auch hier (handwerklich) die Inhalte stimmen, um tatsächlich wahrgenommen zu werden. Aber eines wurde bereits erreicht: Der Redakteur LIEST die Texte und schaut sich Bilder und Illustrationen an. Und nicht nur das. Eine per Brief verschickte Pressemappe signalisiert dem Empfänger, dass man buchstäblich keine Kosten und Mühen gescheut hat, um ihn persönlich zu informieren. Diese Wertschätzung macht sich bezahlt – in einer Veröffentlichung. Es versteht sich natürlich von selbst, dass alle Inhalte der Pressemappe auch online zum Download zur Verfügung stehen müssen. Abtippen und Scannen ist dann doch viel zu sehr old-school!

Sekt oder Selters?

Die per Post verschickte Pressemappe ist wie ein Sektglas: Allein schon Form und Anmutung (Haptik!) versprichen hohe Relevanz. Ist das Sektglas allerdings mit ordinärem Mineralwasser gefüllt, löst sich der erste Eindruck blubbernd in Luft auf. In der Praxis allerdings dürfte dies kaum vorkommen. Denn schließlich wird kaum jemand mehrere Hundert Euro allein für den Versand einer Pressemappe aufwenden, deren Texterstellung nur eine Handvoll Euro gekostet hat. Schließlich gilt nach wie vor: „If you pay peanuts, you get monkeys!“ Leichter kann man sein Geld nicht rauswerfen …