Der weltweite Markt für industrielle Automation steht offenbar vor einem kräftigen Wachstumsschub. Nach aktuellen Berechnungen von Fortune Business Insights soll das Marktvolumen von rund 299 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf mehr als 632 Milliarden US-Dollar im Jahr 2034 steigen. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 9,8 Prozent.
Damit würde sich der Markt innerhalb von acht Jahren mehr als verdoppeln. Hinter dieser Entwicklung steckt allerdings nicht eine einzelne neue Technologie. Vielmehr wachsen klassische Automatisierungstechnik, Robotik, Sensorik, industrielle Software und künstliche Intelligenz zunehmend zu integrierten Systemen zusammen.
KI verändert die industrielle Automation
Besonders stark verändert künstliche Intelligenz derzeit die Möglichkeiten automatisierter Produktionsanlagen. Klassische Steuerungen arbeiten nach fest programmierten Abläufen. KI-Systeme können dagegen große Datenmengen analysieren, Muster erkennen und Produktionsprozesse auf Basis aktueller Betriebsdaten anpassen.
In der Praxis reichen die Anwendungen von der automatischen Qualitätskontrolle über Predictive Maintenance bis zur Optimierung von Produktionsprozessen. Kameras und Sensoren liefern die notwendigen Daten, während Softwareplattformen Informationen aus Maschinen, Anlagen und übergeordneten Systemen zusammenführen.
Auch die Robotik profitiert davon. Die International Federation of Robotics sieht KI und eine steigende Autonomie von Robotern als einen der wichtigsten Robotiktrends des Jahres 2026. Analytische KI kann beispielsweise Maschinenausfälle frühzeitig erkennen oder Bewegungsabläufe optimieren. Generative KI eröffnet zusätzlich neue Möglichkeiten, Roboter einfacher auf wechselnde Aufgaben vorzubereiten.
Roboter verlassen ihre abgeschotteten Arbeitsbereiche
Parallel verändert sich die Rolle der Industrierobotik. Klassische Roboter arbeiteten über Jahrzehnte überwiegend hinter Schutzzäunen und erledigten hochgradig standardisierte Aufgaben. Moderne Systeme lassen sich dagegen flexibler einsetzen und teilweise direkt in Arbeitsbereiche von Menschen integrieren.
Kollaborierende Roboter, kurz Cobots, spielen dabei eine wichtige Rolle. Ihre vergleichsweise einfache Programmierung und flexible Einsatzmöglichkeit macht Robotik auch für Anwendungen interessant, bei denen sich eine klassische Roboterzelle wirtschaftlich kaum gerechnet hätte.
Der langfristige Trend zur Robotisierung ist deutlich erkennbar: Nach Angaben der International Federation of Robotics installierten Unternehmen weltweit allein 2024 rund 542.000 neue Industrieroboter. Damit lag die Zahl mehr als doppelt so hoch wie zehn Jahre zuvor. Mehr als 500.000 neue Roboter kamen bereits im vierten Jahr in Folge hinzu.
Sensoren liefern die Grundlage
Ohne leistungsfähige Sensorik funktioniert diese Entwicklung allerdings nicht. Produktionsanlagen erfassen inzwischen permanent Temperaturen, Kräfte, Positionen, Schwingungen, Drücke, Bilder und zahlreiche weitere Prozessgrößen.
Die zunehmende Vernetzung macht aus diesen einzelnen Messwerten ein digitales Abbild des Produktionsprozesses. Algorithmen können heute Abweichungen erkennen, bevor sie sich unmittelbar auf Produktqualität oder Anlagenverfügbarkeit auswirken (predictive maintenance).
Damit verändert sich auch die Funktion von Sensoren. Sie dienen nicht mehr ausschließlich der Maschinensteuerung. Ihre Daten bilden zunehmend die Grundlage für Analyseprogramme, digitale Zwillinge und KI-basierte Entscheidungen.
Software rückt ins Zentrum der Automation
Ein weiterer Wachstumstreiber liegt in der Software. Fortune Business Insights erwartet, dass Software innerhalb der industriellen Automation während des Prognosezeitraums einen besonders großen Marktanteil einnimmt. Gleichzeitig treiben Industrial IoT, Smart Factories, 5G, digitale Zwillinge und die weitergehende Digitalisierung den Markt.
Damit verschieben sich auch die Grenzen zwischen klassischer Informationstechnik und Produktionstechnik. Die früher weitgehend getrennten Welten von IT und Operational Technology, kurz OT, wachsen zusammen.
Die IFR bezeichnet diese IT/OT-Konvergenz ebenfalls als einen der zentralen Robotiktrends des Jahres 2026. Daten aus der Produktion gelangen in Analyse- und Softwaresysteme, während deren Ergebnisse direkt auf Maschinen und Prozesse zurückwirken.
Europa besitzt derzeit eine starke Position
Bemerkenswert ist die Rolle Europas. Nach Angaben von Fortune Business Insights entfielen 2025 rund 33 Prozent des weltweiten Marktes für Industrieautomation auf Europa. Das entsprach einem Marktvolumen von knapp 90 Milliarden US-Dollar.
Der technologische Wandel eröffnet damit auch europäischen Automatisierungsunternehmen erhebliche Chancen. Gleichzeitig wächst der internationale Wettbewerbsdruck, insbesondere durch die massive Automatisierung der Produktion in Asien.
Die Entwicklung betrifft außerdem längst nicht mehr ausschließlich die Automobilindustrie oder große Produktionskonzerne. Flexible Roboter, leistungsfähigere Sensoren und zunehmend modular aufgebaute Softwaresysteme senken die Einstiegshürden. Dadurch können auch kleinere Produktionsbetriebe Prozesse automatisieren, bei denen sich klassische Automatisierungslösungen bislang kaum gerechnet haben.
Prognosen bleiben unterschiedlich
Die Zahl von 632 Milliarden US-Dollar sollte dennoch nicht als feststehende zukünftige Marktgröße verstanden werden. Marktstudien verwenden unterschiedliche Definitionen für industrielle Automation. Entsprechend unterscheiden sich auch die Prognosen teilweise erheblich. The Business Research Company beispielsweise erwartet für 2034 ein weltweites Marktvolumen von rund 466 Milliarden US-Dollar.
Über die grundsätzliche Richtung besteht jedoch weitgehend Einigkeit: Industrieautomation entwickelt sich von einzelnen automatisierten Maschinen hin zu vernetzten Produktionssystemen. KI, Robotik, Sensorik und Software wachsen dabei immer enger zusammen.
Die Fabrik der Zukunft besteht deshalb wahrscheinlich weniger aus einzelnen spektakulären Technologien. Entscheidend ist vielmehr deren Zusammenspiel. Genau darin liegt auch das wirtschaftliche Potenzial eines Marktes, der in den kommenden Jahren erheblich wachsen dürfte.
